37. Wiener Stadterneuerungspreis (Silber)

Auszeichnung für zukunftsorientierte Stadtentwicklung: Silber für EPA Wien

Das Europäische Patentamt Wien wurde mit dem Wiener Stadterneuerungspreis 2025 (Silber) gewürdigt – für den respektvollen und innovativen Umgang mit dem Bestandsgebäude. Weitere Anerkennungen erhielt das Projekt im Juni 2025 durch den Österreichischen Betonpreis und den Architekturpreis „gebaut 2024“.





Mit dem Stadterneuerungspreis honoriert die Landesinnung Bau der Wirtschaftskammer Wien, in Kooperation mit der Stadt Wien, herausragende Sanierungs- und Revitalisierungsprojekte – und will so ein Zeichen für die nachhaltige, stadtbildprägende Entwicklung setzen. Aus insgesamt 33 Einreichungen erhielten drei Projekten einen „Wiener Güteziegel“ – in Gold, Silber und Bronze. Das Europäische Patentamt Wien gewann Silber.








„Der Wiener Stadterneuerungspreis ist Ausdruck der Qualität, mit der in unserer Stadt gebaut, saniert und weitergedacht wird. Die ausgezeichneten Projekte stehen beispielhaft für die Innovationskraft des Wiener Baugewerbes und den respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz.“ – Christoph Ruck, Innungsmeister der Landesinnung Bau, WKW


 

Vienna Green Hub

Der revitalisierte Sitz des Europäischen Patentamts (EPA) in Wien zählt zu den nachhaltigsten Bauwerken in Europa. Es erreicht mit der BREEAM-Zertifizierung „Outstanding“ die bis dato höchste Bewertung im DACH-Raum. ATP architekten ingenieure und ATP sustain planten die Generalsanierung des Dienstgebäudes auf historischem Boden nahe dem Schloss Belvedere integral und nach höchsten Umweltstandards. Sie schufen nicht nur die Voraussetzungen zur Erreichung des Ziels des European Green Deal, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, sondern auch zur Umsetzung des ambitionierten Vorhabens des EPA, bereits 2030 CO2-neutral zu sein. Entscheidend für die Qualität dieses Projektes war die integrale, cloudbasierte Kommunikation aller Beteiligten im BIM-Modell, von der Planung über die Ausführungsphase bis zum Facility Management. Der „Vienna Green Hub“ bietet als Bürogebäude eine flexible Nutzung für zukünftige Anforderungen. Mit der architektonischen Geste einer filigranen transparenten Holzfassade zur umgebenden Parklandschaft nimmt der Bau den Genius Loci auf und vereint historischen Naturraum mit modernster Technologie.







 







nd.

„Gute Architektur wird dort spürbar, wo sie nicht verdrängt, sondern unterstützt.“ – Florian Anschober, Architekt bei ATP in Innsbruck

Ergänzen statt konkurrieren
Der Umgang mit der symbolischen Bedeutung solcher Räume verlangt vor allem eines: Zurückhaltung, Lesbarkeit und Dialog. Neue Nutzungen müssen als zeitgenössische Ergänzung erkennbar bleiben und dürfen nicht versuchen, den sakralen Ausdruck zu imitieren oder zu überformen. Neue Funktionen lassen sich integrieren, ohne mit der bestehenden Architektur zu konkurrieren, indem neue Elemente konstruktiv eigenständig, klar strukturiert und formal reduziert ausgebildet werden. Freistehende, additive Einbauten respektieren den Bestand und lassen die historische Architektur prägend bleiben.

Reversible oder minimalinvasive Eingriffe sind das A & O. Denn Anforderungen und Nutzungen können sich künftig erneut ändern. Deshalb müssen alle Eingriffe rückbaubar und möglichst substanzschonend geplant werden. Reversibilität schafft sowohl denkmalpflegerische Akzeptanz als auch langfristige Flexibilität.

Bewegung im Bestand: Kirche als Kletterraum
Die Pfarrkirche Petrus Canisius ist ein gelungenes Beispiel für die Weiterentwicklung eines Kirchenraums. Der Schlüssel zum Erfolg lag hierbei in der Integralen Planung von Beginn an – im Zusammenspiel von Architektur, Haustechnik, Elektroplanung und Tragwerksplanung. Nur so konnte eine Lösung entwickelt werden, die die Anforderungen von Kirche, Stadt, Denkmalpflege und Öffentlichkeit gleichermaßen berücksichtigt.

„Das Projekt ist in Österreich von außergewöhnlichem Interesse, da es eine der ersten Sakralumnutzungen dieser Art darstellt.“ – Florian Anschober, Architekt bei ATP in Innsbruck

Im Kirchenraum bleibt die räumliche Wirkung des von Horst Parson entworfenen Sakralbaus mit umlaufendem Lichtband vollständig erhalten. Die Kletterwände schweben als klare, neue Ebene über den Matten, der Altar bleibt sichtbar und zugänglich. Die erforderliche Haustechnik wird nahezu unsichtbar ausgelagert, sodass Klettern als neue Funktion klar erkennbar ist, ohne den sakralen Raum zu überlagern. Die für den hohen Luftwechsel notwendige Lüftungsanlage wird in der überhöhten Attika eines südlichen Zubaus untergebracht. Die Abluft wird über das Erdreich um das Gebäude zurückgeführt. Der denkmalgeschützte Bestand bleibt so weitgehend frei von Leitungsführungen und Einbauten.

Umnutzung bedeutet hier nicht, Geschichte zu ersetzen, sondern sie weiterzuschreiben – mit Respekt vor dem Ort, mit architektonischer Zurückhaltung und neuer gemeinschaftlicher Nutzung.

„Die Architektur bleibt spürbar – auch wenn der Raum eine neue Funktion aufnimmt.“ – Florian Anschober, Architekt bei ATP in Innsbruck


Florian Anschober ist Architekt bei ATP in Innsbruck. Er studierte Architektur an der TU Wien und an der Universität Innsbruck, wo er sich unter anderem mit Bauen im Bestand auseinandersetzte, sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der WU Wien. Internationale Praxiserfahrung sammelte er bei Zaha Hadid Architects (Venice Studio Fellow), der Powerhouse Company in Rotterdam sowie bei any:time Architekten.

 

